Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Kommentar der Tagesschau zur Thematik des Antisemitismus

Dem ersten Teil des Kommentars stimmen wir zu 100% zu.

„Ich finde es unerträglich, wenn Juden maximal unauffällig durch deutsche Gassen huschen sollen. Es ist mir dabei völlig egal, ob sie durch muslimische, rechte oder linke Antisemiten bedroht werden…“
Wir von der Linksjugend [’solid] Bremerhaven und Cuxhaven fügen hinzu: Es sollte dabei auch egal sein, ob es Antisemiten aus der sogenannten „Mitte “ der Gesellschaft sind.
„Der Antisemitismus vergiftet die Demokratie. Das sollte nicht nur Juden beunruhigen.“ Der Kommentar von Esther Schapira in den Tagesthemen.

Es gibt einige Linke, die sich mit der Hamas solidarisieren. Also mit jenen, die Personen mit jüdischen Glauben hassen. Dieser Antisemitismus ist gerade durch den Nahostkonflikt, der Besatzung der Westbank, der Abriegelung des GAZA-Streifens mit verursacht bzw. begünstigt worden. Eine einseitige Solidarisierung mit der Hamas im Zuge des Nahostkonfliktes wäre eben auch Unterstützung von Antisemitismus. Sowas ist mit dem Selbstverständnis linker Ideale nicht vereinbar und deswegen auf das Schärfste zu kritisieren. Antisemitismus ist keine linke Position.Auch eine einseitige Solidarisierung mit Israel wäre eine Unterstützung von palästinenserfeindlicher Politik. Zudem gibt es innerhalb und außerhalb der Linken Versuche Personen, die der Politik des Staates Israel kritisch gegenüber stehen, mit dem Vorwurf des Antisemitismus zu diffamieren. Solche Vorwürfe kommen von Personen, die sich einseitig mit Israel solidarisieren und Palästina das Existenzrecht absprechen. Wir sind für die Zweistaatenlösung in den Grenzen von 1967.In Israel und Palästina gibt es soziale Kämpfe, zum Beispiel wegen steigender Mieten, Zwangsräumungen und für die Erhöhung des Mindestlohns. Auf Grund dessen kommt es einem der israelischen Linken in den Rückenfallen gleich, wenn so getan wird, als ob jede Kritik am Staat Israel, Antisemitismus wäre. So eine Gleichsetzung würde nur den Kapitalinteressen großer Konzerne dienen und von den wirklichen Problemen und der Verhältnisse ablenken.

Die Stelle im Tagesschau-Kommentar wo Zionismus und Juden gleichgesetzt werden, ist inhaltlich falsch. So gibt es auch christliche Zionisten. Zudem führt die Gleichsetzung von Personen mit dem jüdischen Glauben und der zionistischen Bewegung zu israelbezogenem Antisemitismus bzw. verstärkt diesen. Es gibt genug Juden, die sich gegen den Zionismus engagieren. Die Gleichsetzung würde diesen Juden die Zugehörigkeit zum Judentum absprechen.

Die Reproduktion von israelbezogenem Antisemitismus kann nicht das Ziel einer gegen Antisemitismus gerichteten Bewegung sein. Vor allem linke Israelis und auch der israelische Soziologe Moshe Zuckermann machen stets darauf aufmerksam, dass man das Judentum, Personen mit jüdischen Glauben, Israel und den Zionismus nicht gleichsetzen darf, weil es eben unterschiedliche Sachverhalte sind.

Die Gleichsetzung von Juden und dem Zionismus, die der Kommentar der Tageschau suggeriert, führt zum Teil des zu bekämpfenden Problems bzw. reproduziert Antisemitismus, weil nicht differenziert wird. Damit wird mitunter das Gegenteil davon was erreicht werden soll, begünstigt. Ebenso spielt dabei der Missbrauch des Begriffs „Zionist“, bezogen auf eine Person mit jüdischen Glauben, eine große Rolle.

Außerdem sind Israel und der Zionismus nicht das Gleiche. Historisch betrachtet ist der Zionismus eine Reaktion auf den europäischen Antisemitismus. Theodor Herzl, Begründer des politischen Zionismus, war der Ansicht, dass ein jüdischer Staat nur unter der Bedingung einer friedlichen Koexistenz mit anderen Kulturen, Religionen usw. funktionieren könne. Heute allerdings steht der Zionismus für eine auf eine Nation ausgerichtete, nationalistische und religiös-ethnifizierte Bewegung, die nur noch sehr wenig mit den Lehren von Herzl zu tun hat. Die Konsequenz des Zionismus beruht auf religiös motivierter Ausgrenzung von Andersgläubigen. Israelische Muslime, Christen oder Atheisten können nie vollwertige Mitglieder einer Nation sein, die sich ausschließlich als jüdisch definiert. Wir sagen JA zum Existenzrecht Israels und NEIN zum Zionismus.

Ziel einer linken emanzipatorischen Politik ist es auf die Unterschiede aufmerksam zu machen und konsequent gegen Antisemitismus vorzugehen. Vor allem, wenn israelische Linke und Soziologen darauf hinweisen und das nicht nur bei Teilen der Linken in Deutschland ignoriert wird.

Wir sagen daher:
NEIN zu jeder Form von Antisemitismus
JA zum Existenzrecht Israels
NEIN zum Zionismus
Und weil es wieder um den Nahostkonflikt geht und der Vollständigkeit halber:
JA zum Existenzrecht Palästinas
JA zur Zweistaatenlösungen in den Grenzen von 1967
NEIN zu jeder religiösen, sowie auf der Nation, begründeten Ausgrenzung

Zum Schluss schauen wir erneut auf das Ausgangsproblem Antisemitismus. Es soll nicht der Eindruck erweckt werden, dass wir durch Positionen zum Nahostkonflikt vom Problem des Antisemitismus ablenken wollen. Wichtige Fragen sind für uns: Wie entsteht Antisemitismus? Wie können Antisemitismus und die dafür verantwortlichen Ursachen in Deutschland sowie international bekämpft werden?

Linksjugend [’solid] Bremerhaven und Cuxhaven

Hier der Link zum Tagesschauvideo um das es geht:
http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-65707.html

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3 Gedanken zu “Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Kommentar der Tagesschau zur Thematik des Antisemitismus

  1. Ich sage ja zum Zionismus, denn der Zionismus ist die Grundlage für die Existenz Israels.
    Ich sage nein zur Zweistaatenlösung in den Grenzen von 1967 – denn 1967 gab es nur Israel. Und Nachbarstaaten die palästinensische Flüchtlinge für ihre eigenen Interessen instrumentalisierten.

    • Die Bedeutung des Zionismus hat sich in dem Moment massiv verändert, indem tatsächlich ein jüdischer Nationalstaat gegründet wurde: Während der Zionismus zuvor die Reaktion einer diskriminierten Minderheit auf ihre Diskriminierung war, wurde er mit der Gründung des israelischen Staates zur Staatsideologie eines bürgerlichen Staates, der die Rolle einer Regionalmacht spielt. So wandelte sich die Bedeutung also von einer wenn auch generell fragwürdigen Ideologie der Unterdrückten zu einer Herrschaftsideologie, wie es der Nationalismus jedes bürgerlichen Staates ist.
      „Historisch betrachtet ist der Zionismus eine Reaktion auf den europäischen Antisemitismus. Theodor Herzl, Begründer des politischen Zionismus, war der Ansicht, dass ein jüdischer Staat nur unter der Bedingung einer friedlichen Koexistenz mit anderen Kulturen, Religionen usw. funktionieren könne. Heute allerdings steht der Zionismus für eine auf eine Nation ausgerichtete, nationalistische und religiös-ethnifizierte Bewegung, die nur noch sehr wenig mit den Lehren von Herzl zu tun hat. Die Konsequenz des Zionismus beruht auf religiös motivierter Ausgrenzung von Andersgläubigen. Israelische Muslime, Christen oder Atheisten können nie vollwertige Mitglieder einer Nation sein, die sich ausschließlich als jüdisch definiert. Wir sagen JA zum Existenzrecht Israels und NEIN zum Zionismus.“

    • Hier ist ein lesenswerter Text auch zum Thema der Grenzziehung von 1967 von der Partei Die Linke
      Nahostkonflikt

      20 Jahre nach den Friedensabkommen von Oslo ist die Lage im Nahen Osten weiterhin angespannt. Im Zentrum der Auseinandersetzungen, die auch den Libanon, Syrien und Jordanien betreffen, steht nach wie vor der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern. Die beidseitige anhaltende auch militärische Eskalation und die Siedlungspolitik Israels im Westjordanland führen dazu, dass Verhandlungen in weite Ferne gerückt sind. Weder US-Präsident Obama noch der Sondergesandte des Nah-Ost-Quartetts Tony Blair, konnten zu einer Entspannung des Konfliktes beitragen. Derzeit besteht wenig Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation. Die innenpolitischen Voraussetzungen für einen Friedensprozess werden durch zunehmende politische Radikalisierung wie den Wahlsieg der Hamas im Gaza-Streifen 2006 und die Bildung rechtsgerichteter Regierungen in Israel erschwert.

      Für DIE LINKE gilt, dass Deutschland wegen der furchtbaren Verbrechen der Deutschen an Jüdinnen und Juden während des Nationalsozialismus eine besondere Verantwortung gegenüber einem sicheren Israel, jüdischem Leben in Deutschland und gegen jede Art von Antisemitismus, Rassismus, Unterdrückung und Krieg hat. Ein palästinensischer Staat muss lebensfähig sein. So könnte der Frieden in der Region abgesichert werden. DIE LINKE tritt weiterhin für die zwei Staaten-Lösung ein.

      Für uns ist der Maßstab das internationale Völker- und Menschenrecht, das für alle Staaten und Konfliktparteien zu gelten hat. Wir verurteilen jegliche Gewaltanwendung der beteiligten Parteien. Eine Lösung im israelisch-palästinensischen Konflikt ist nicht auf militärischem Wege zu erzielen, sondern nur durch ernsthafte und aufrichtige Verhandlungen zwischen allen Beteiligten.

      Ein lebensfähiger palästinensischer Staat sollte über völkerrechtlich abgesicherte Grenzen, Kontrolle über eigene Ressourcen und freie, sichere Verkehrswege, auch zwischen dem Westjordanland und dem Gazastreifen verfügen und ein Ende des jüdischen Siedlungsbaus einschließen. Die Grenzziehung sollte anhand der Grundlage von 1967 erfolgen. Außerdem müssen verbindliche Rückkehr- oder Entschädigungsregelungen für palästinensische Flüchtlinge gefunden werden.

      Die LINKE hat den Antrag Palästinas auf Mitgliedschaft in den Vereinten Nationen als friedlichen Schritt hin zu einer eigenen Staatlichkeit begrüßt. Nun sollten Verhandlungen zwischen Israel und Palästina auch von Seiten Deutschlands wieder verstärkt forciert und Palästina beim Aufbau eines eigenen, lebensfähigen Staates unterstützt werden.

      DIE LINKE lehnt den Export von Waffen in den Nahen und Mittleren Osten strikt ab. Dies führt zu einer Verschärfung des Nahost-Konflikts.
      http://www.die-linke.de/wahlen/archiv/archiv-bundestagswahl-2013/positionen/stichworte-von-a-bis-z/i-o/nahostkonflikt/

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