Kritik an Bundeswehrgelöbnis in Bremerhaven – 60 Jahre Bundeswehr heißt 60 Jahre imperialistische Aggression und eine neue heuchlerische Werbe-Offensive

12231095_947314288694469_572771823_nAm 12. November 2015, dem 60. Jahrestag der Bundeswehr, fand gegen 17:00 Uhr die Vereidigung und das Gelöbnis von 169 Rekrut*innen der Marineoperationsschule und des Logistikbataillons 161 aus Delmehorst auf dem Theodor-Heuss Platz in Bremerhaven statt. Die Veranstaltung sollte, wie am 9. November auf der Website der Seestadt Bremerhaven beschrieben, der Verbundenheit und Treue zu Staat und Gesellschaft Symbol sein und öffentlich aufzeigen, welchen Dienst die jungen Wehrkräfte an der Gesellschaft leisten, sowie die Position der Bundeswehr in der Mitte der Gesellschaft zu verankern.

Die Linksjugend [‘solid] Bremerhaven & Cuxhaven entschloss sich kurzerhand, eben dieses Unterfangen auf andere Weise in die Tat umzusetzen und den dem Ereignis Beiwohnenden begreifbar zu machen, dass Bundeswehrarbeit nur wenig mit Menschenliebe und Hilfsbereitschaft zu tun hat. Wir positionierten uns vor der Absperrung seitlich der dort aufgebauten Tribüne und zeigten unser Banner mit der Aufschrift Im Krieg gewinnt nur der Tod. Zusätzlich schwenkten wir Fahnen der Linksjugend [‘solid], verteilten etliche Flyer mit bundeswehrkritischen Inhalten und garnierten die Aktion mit Slogans, wie Militarismus raus aus den Köpfen!, Iran, Irak, Syrien, Türkei, bei jeder Schweinerei ist die BRD dabei!, Thyssen, Daimler, Deutsche Bank, der Hauptfeind steht im eigenen Land! und ”Deutsche Waffen, deutsches Geld morden mit in aller Welt!”. Schon unsere bloße Präsenz erweckte große Aufmerksamkeit bei der Polizei, die an diesem Nachmittag zahlreich vertreten war, doch bei Einsetzen der Slogans wurden wir umgehend des Platzes verwiesen.

Passant*innen und Teilnehmer*innen der Veranstaltung fotografierten uns aus den verschiedensten Gründen, wir bekamen einige beleidigende Zurufe zu hören und ein*e sehr erboste*r Teilnehmer*in schlug einem Genossen eine Trillerpfeife aus der Hand, um sie anschließend zu Boden zu schmeißen und mit großen Kraftaufwand zu zertreten. Bedauerlicherweise erfuhren wir bei dieser Aktion nur wenig Zuspruch und es ist erschreckend, zu sehen, wie aggressiv große Teile der Gesellschaft mit Kritik bezüglich der Bundeswehr umzugehen scheinen. Allerdings gab es auch Lob und Interesse insbesondere von jüngeren Menschen. Wichtig ist, dass wir an diesem Nachmittag klare Positionen vertreten haben, die viel Aufmerksamkeit erregten und heftige Reaktionen auslösten.

Als Linksjugend [‘solid] Bremerhaven und Cuxhaven ist es unsere Aufgabe, der haltlosen Beleidigung nicht zu scheuen und weiterhin unmissverständliche Zeichen gegen Krieg und Rüstung zu setzen. Ebenso wenig scheuen wir uns davor, offen Debatten mit neugierigen Passant*innen zu führen und dadurch politisches Bewusstsein zu schaffen.

  • Gegen Kriegsverherrlichung und Bundeswehrpropaganda!
  • Gegen deutsche Rüstungspolitik und Waffenexporte!
  • Verstaatlichung der Waffenindustrie unter demokratische Kontrolle und Verwaltung – Umstellung auf zivile Produktion!
  • Für ein Ende aller Auslandseinsätze und Frieden auf der ganzen Welt!
Die Bundeswehr mit neuer Werbeoffensive
Zudem führt die Bundeswehr eine neue Werbeoffensive unter dem Titel „Mach was wirklich zählt“ Diese startete am 2 November. Nach Angaben der Bundeswehr wird in der erste Phase mehr als 30.000 Plakate, fünf Millionen Postkarten sowie Riesenpostern in elf ausgewählten Städten Deutschlands sichtbar. Bremen gehört ebenfalls zu diesen ausgewählten Städten, die massiv von Bundeswehrplakaten betroffen ist. 
Die Kampagne wirbt mit Sprüchen wie „Krisenherde löst du nicht durch Abwarten und Teetrinken.“ oder „Wahre Stärke findest du nicht zwischen zwei Hanteln.“ sowie „Grünzeug ist auch gesund für deine Karriere wie auch „Wir Kämpfen auch dafür, dass du gegen uns sein. und Was sind schon 1.000 Freunde im Netz gegen einen Kameraden? Damit wird gezielt versucht Jugendliche mit einer teilweise stumpfen, teils witzigen, verständnisvollen bis hin zu einer unbeschwerten Art für die Bundeswehr zu begeistern. Hierbei wird dieser als ein vertrauenswürdiger gewöhnlicher Arbeitgeber zu stilisiert und die “Normalisierung” von Krieg betrieben sowie der Beruf Soldat*in verniedlicht.

In der zweiten Phase melden sich die Protagonisten der Kampagne zu Wort. Dazu wurde extra die Internetseite http://www.machwaswirklichzaehlt.de ins Leben gerufen. Hier werden Videos von Menschen aus verschiedenen Bundeswehrfeldern gezeigt, wie sie zur tollenBundeswehr gekommen sind und welche persönliche und fachliche Weiterentwicklung ihnen ermöglicht wurde Hierbei sollen Chancen und Herausforderungen eine entschiedene Rolle spielen.

Insgesamt soll die Kampagne 10,6 Millionen Euro laut dem Verteidigungsministerium kosten. In unseren Augen eine Verschwendung von öffentlichen Geldern, die dringend an anderen Stellen gebraucht werden. Zudem sehen wir kritisch, dass ein Feindbild gegenüber Teetrinker*innen kreiert wird. Witzig ist, dass mit Grünzeug offenbar Graskonsument*innen angesprochen werden sollen. Inwiefern eine zugedröhnte Truppe die Kapitalinteressen der Herrschenden verfolgen soll, bleibt abzuwarten. Letztlich soll mit dem Begriff Grünzeug eine positiv besetze Analogie zur Bekleidung der Bundeswehr hergestellt werden. Bemerkenswert ist, dass sich die Bundeswehr als Schutzgewalt der Freiheit speziell der Meinungsfreiheit sieht und dass deshalb jede*r gegen die Bundeswehr sein dürfe, wo gerade die Bundeswehr die Freiheitsrechte in anderen Ländern mit Füßen tritt, siehe Afghanistan.

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