Solidarität mit Aktivist M.! Polizeigewalt und Repression entgegentreten!

Am 29.05.2016 versammelten sich einige Aktivist*innen, unter anderem vom Bündnis Jugend Gegen Rassismus und von der Linksjugend [’solid] Bremerhaven und Cuxhaven, auf dem Willy-Brandt-Platz in Bremerhaven, um dort gegen die Bundeswehr zu demonstrieren, die dort anlässlich des Seestadtfestes versuchte, mit „hipper“ Musik und „coolen“ Fahrzeugausstellungen hauptsächlich Jugendliche für sich zu interessieren.

Um zu verdeutlichen, dass für uns das Werben für den Krieg keine wünschenswerte Jobperspektive bieten kann, veranstalteten wir ein sogenanntes „Die-In“ neben einem der dort ausgestellten Panzerfahrzeuge.
Ein Die-In ist eine Aktion, bei der sich die Aktivist*innen mit von roter Farbe befleckten T-Shirts wie tot auf den Boden legen, um auf die Opfer von Krieg und Militarismus aufmerksam zu machen.

Im Rahmen dessen beschlossen einige Aktivist*innen, den dort ausgestellten Panzer zu besetzen, indem sie auf eben diesen kletterten und dort antifaschistische Fahnen und Friedensbanner hissten. Die zu diesem Zeitpunkt noch sehr spärlich vertretenen Einsatzkräfte der Polizei verzehnfachten sich prompt und schotteten uns von unseren Freund*innen und Genoss*innen ab, indem sie den Panzer einkesselten, darauf wartend, dass die Aktivist*innen das Fahrzeug verlassen würden, um dann direkt deren Personalien aufzunehmen und sie schlimmstenfalls in Gewahrsam zu nehmen. Als wir nach mehreren Stunden versuchten, den Aktivist*innen Essen und Trinken zukommen zu lassen, wurden wir grob des Platzes verwiesen.

Vier Stunden harrten die Menschen im strömenden Regen auf dem Fahrzeug aus, bis sich dieses überraschend in Bewegung setzte, um die Aktivist*innen aus dem Sichtfeld der schaulustigen Seestadtfest-Besucher*innen zu entfernen und direkt in einen riesigen Kessel aus Polizei- und Feuerwehrfahrzeugen zu befördern.
Dort wurden unsere Genoss*innen und Freund*innen brutal vom Panzer geholt, selbst nachdem sie einwilligten, das Fahrzeug freiwillig zu verlassen.
Wir konnten beobachten, wie die Aktivist*innen vom Panzer aus über den Boden zu den Polizeifahrzeugen geschliffen wurden. Jede*r von ihnen wurde nach langen Kontrollen und Schikanen isoliert in jeweils ein Polizeifahrzeug gebracht, um schließlich ins Polizeirevier Lehe gebracht zu werden, wo unsere Freund*innen und Genoss*innen für mehrere Stunden festgehalten wurden.

Wir beschlossen uns, eine spontane Soli-Aktion vor dem Revier zu veranstalten und verbrachten dort mit Soli-Schildern ausgerüstet drei Stunden, bis die Aktivist*innen endlich freigelassen wurden.
Als wir nur vier von unseren fünf Freund*innen vorfanden, teilten uns zwei Polizisten mit, die fünfte Person sei in die Psychiatrie eingeliefert worden, Zitat: „Der ist wohl nicht ganz fit im Kopf.“

Schnell kam zum Vorschein, was wirklich passiert war: Auf der Polizeiwache hatte man den Aktivisten M. festgehalten, ihn mehrfach mit homophoben und sexistischen Äußerungen beleidigt und ihn schon nach wenigen Minuten für geistig derangiert erklärt, unter anderem, weil er in seiner Zelle gepfiffen und gesungen hatte oder Blickkontakt mit den Polizist*innen hielt.
Mehrfach wurde darüber gescherzt, dass sein Haar (ungefähr brustlange Dreadlocks) am besten abschnitten werden solle und dass sich aufgrund seiner Haarlänge sowieso nicht sicher gewesen sei, ob es sich bei ihm um einen Jungen oder ein Mädchen handele.

Nach diesen Provokationen und nachdem er mehrfach der geistigen Verwirrtheit beschuldigt wurde, legte sich M. Aus Protest eine seiner Dreadlocks um den Hals. Sofort stürzten sich Polizeikräfte auf M., drückten ihn zu Boden und hatten schnell den Entschluss gefasst, ihn in die Psychiatrie einzuweisen. Anstatt den angeblich suizidgefährdeten M. zunächst einmal zu fixieren, fingen die Polizist*innen an, Schmuckanhänger aus M.s Haar zu entfernen. Als sie eine Sicherheitsnadel entdeckten, wurden M.s brustlange Dreadlocks kurzerhand von der Polizei mit einer Schere abgeschnitten. Danach wurde er auf Androhung einer polizeilichen Zwangseinweisung für eine Nacht in die geschlossene Abteilung der Psychiatrie Reinkenheide befördert, selbst, nachdem eine Ärztin festgestellt hatte, dass M. geistig völlig gesund ist.

Für uns ist eines klar: Das Handeln der Polizei war nicht nur grob und unangebracht, sondern in diesem Fall auch ein massiver Eingriff in M.s Intimsphäre. Selbst, wenn wir von dem brutalen Umgang mit den Aktivist*innen und den Beleidigungen auf persönlicher Ebene absehen: Einer Person gegen ihren Willen ihr Haar abzuschneiden gilt unweigerlich als Körperverletzung.
Daher sprechen wir hiermit offen unsere Solidarität mit dem Aktivisten M. aus!

Wir stellen uns den Schikanen der Polizei, die Aktivist*innen immer wieder ertragen müssen, entschlossen entgegen und fordern ein Ende der von Polizeikräften ausgehenden Gewalt!

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